Amedeo Modigliani – MODERNE BLICKE

Eine Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart

Von Beate Braun, mit Unterstützung von ChatGPT

Am 19. März 2024 besuchten 15 Teilnehmer*innen von ViLE-Süd und Gästen die Ausstellung „Modigliani: Moderne Blicke“ in der Staatsgalerie Stuttgart.

Diese Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini in Potsdam entstand, ist die erste Modigliani-Schau in Deutschland seit 2009 und vereint mehr als 80 Werke aus internationalen Museen und Privatsammlungen. Sie wird bis zum 2. April in der Staatsgalerie zu sehen sein und anschließend im Museum Barberini vom 27. April bis 18. August 2024 ausgestellt.

Unsere Führerin, die Kunsthistorikerin Romana Wojtynek führte uns durch die Ausstellung.

Amedeo Clemente Modigliani wurde am 12.07.1884 in Livorno geboren. Er starb am 24.01.1920 in Paris. Er war ein italienischer Zeichner, Maler und Bildhauer. Er war das vierte und jüngste Kind von Flaminio und Eugenia Modigliani. Die Familie gehörte dem aufgeklärten jüdischen Bürgertum an. Modigliani verbrachte seine Jugend in Italien, wo er die Kunst der Antike und Renaissance studierte. Dort wurde er „Deo“ genannt. Im Jahr 1906 zog er nach Paris, jetzt genannt „Modi“. Hier traf er bedeutende Künstler wie Pablo Picasso und Constantin Brâncuși. Von 1909 bis 1914 widmete er sich hauptsächlich der Bildhauerei. Sein Hauptmotiv war der Mensch, sowohl in seinen Gemälden als auch bei den Skulpturen. Modigliani kehrte 1914 zur Malerei zurück (wahrscheinlich, weil er Probleme mit dem Staub beim Arbeiten an den Skulpturen hatte) und schuf Porträts, Akte und Landschaften. Seine Werke zeigten Einflüsse der Renaissance und der afrikanischen Kunst. Modigliani litt unter einer Lungenkrankheit und starb mit 35 Jahren an Tuberkulose. Er hinterließ ein vielseitiges Gesamtwerk, das Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen umfasst. Seine künstlerische Bedeutung wurde erst nach seinem Tod vollständig erkannt und seine Werke erzielten hohe Preise. 

Modigliani wechselte in Paris oft seine Unterkunft. Manchmal ließ er seine Kunstwerke zurück, wenn er aus einer Wohnung floh, weil er die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Er hatte einige Liebschaften, darunter die Schriftstellerin Beatrice Hastings und die Malerin Anna Akhmatowa. Danach hatte er eine bewegte Beziehung mit Jeanne Hébuterne, einer talentierten Künstlerin, die ebenfalls sein Modell war. Die beiden verband eine leidenschaftliche Liebe, und sie war seine Muse für viele Gemälde und Skulpturen. Die beiden hatten miteinander ein Kind. Jeanne Hébuterne beging tragischerweise Selbstmord, kurz nachdem Modigliani gestorben war. Ihre gemeinsame Geschichte ist von Intensität und Tragik geprägt, denn als Jeanne Selbstmord beging, war sie wieder schwanger. 

Die Ausstellung betrachtet das Werk des italienischen Künstlers Amedeo Modigliani aus einer europäischen Perspektive. Sie bettet ihn in sein kosmopolitischen Pariser Umfeld ein und zeigt erstmals konkrete Gegenüberstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus dem deutschsprachingen Raum, die ihm größtenteils nicht persönlich bekannt waren. Dennoch lassen sich spannende Parallelen zwischen Modigliani und Künstlern wie Paula-Modersohn-Becker, Jeanne Mammen, Egon Schiele, Gustav Klimt oder Wilhelm Lehmbruck entdecken, die Zeugnis des engen Austauschs der europä­ischen Avantgarden in jener Zeit sind. Die intensive Beschäftigung mit Porträt und Akt begleitet und prägt die Entwicklung einer jungen Künstlergeneration.

Das Charakteristische von Modiglianis Gemälden sind die lange Nase und der kleine Mund sowie lange schlanke Hälse, wie man aus nachstehenden Beispielen sehen kann. Die Bilder strahlen meist eine Melancholie aus.  


Die Jüdin, 1908

Gemeinfrei



Kopf einer Frau, 1912

Gemeinfrei

Diese Skulptur überraschte uns, denn die Nase war nach innen ausgemeißelt, was man erst erkennen konnte, wenn man die Skulptur von der Seite anschaute.


Porträt des Jacques Lipchitz mit seiner Frau (Berthe Lipchitz), 1916

Gemeinfrei


Porträt der Jeanne Hébuterne, 1918

Gemeinfrei


Selbstbildnis (kurz vor seinem Tod), 1919

Gemeinfrei

Der letzte Raum zeigt Aktbilder. Es ließen sich interessante Parallelen entdecken von Amedeo Modigliani zu Gemälden von Paula Modersohn-Becker, Gustav Klimt, Egon Schiele, Wilhelm Lehmbruck und auch Pablo Picasso. Diese Bilder waren auch schon zur damaligen Zeit ausgestellt worden – von einem Galeristen, dessen Namen ich vergessen habe. Die Welt war geschockt von den Nacktdarstellungen. Die Gemälde wurden als skandalös empfunden, besonders die Darstellung der Schamhaare. Die Ausstellung bewertet auch das Frauenbild Modiglianis neu und zeigt den Maler als Chronisten eines erstarkenden weiblichen Selbstbewusstseins in den Jahren vor und während des Ersten Weltkriegs. Auch Modiglianis Akte sind in diesem Kontext neu zu bewerten. Im Einklang mit der jüngsten Forschung wird deutlich, dass Modigliani seine Modelle nicht zu Objekten degradiert, sondern sich ihnen in einem von Gleichberechtigung geprägten Verhältnis nähert.



Liegende nackt mit Händen hinter dem Kopf, 1917
(Nudo Sdraiato Con Le Mani Dietro Testa)

Gemeinfrei


Liegender Akt (Nu Couché), 1917

Gemeinfrei



DIE AUSSTELLUNG IN DER STAATSGALERIE STUTTGART IST NOCH BIS OSTERMONTAG GEÖFFNET!