Ernst Wilhelm Nay in der Hamburger Kunsthalle

von Ingeborg Seiler, Gruppe ViLE Lübeck

Am 17. Juni besuchten einige Mitglieder unserer VILE Gruppe die Ernst Wilhelm Nay Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle, die rund 120 Werke – Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen – des Künstlers ausstellt. Viele der Werke gehören zum Bestand des Museums, denn Carl Georg Heise, der die Kunsthalle von 1945 bis 1955 leitete, war ein enger Freund des Malers.

Die Ausstellung ist in fünf “Kapitel” gegliedert.

1. Anfang und Zukunft
Nay, 1902 in Berlin geboren und aufgewachsen, begann schon früh als Autodidakt zu malen. 1924 bekam er einen Ausbildungsplatz in der Malklasse von Karl Hofer, expressionistischer Maler und Direktor der Berliner Hochschule für bildende Künste. Einige Bilder zeigen Einflüsse der französischen Malerei (Matisse, Kubismus)

2. Die Kräfte der Natur
1935 entstanden nach einer Reise an die Ostsee die Fischerbilder – Menschen in Booten, sehr bewegt und in kräftigen Farben.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Nay zeitweise mit einem Ausstellungsverbot belegt,
konnte aber durch die finanzielle Unterstützung durch Heise und Edward Munch eine Reise zu den Lofoten machen. Nach den dort entstandenen Aquarellen entstanden später die Lofotenbilder.

3. Zu den Quellen
1939 wurde Nay eingezogen, war als Soldat in Polen und Frankreich stationiert, später arbeitete er als Kartenzeichner. Er freundete sich mit einem französischen Amateurmaler an, der ihm Farben besorgte und sein Atelier zur Verfügung stellte. Er beschäftigte sich in dieser Zeit intensiver mit dem Kubismus und der Malerei von Picasso.
Als er 1945 aus der Armee entlassen wurde, zog er nach Hofheim am Taunus. Hier entstanden die geheimnisvollen Hekatebilder (benannt nach der Göttin der Magie) Auch taucht in den Bildern immer wieder das Motiv der Quelle auf.
Das Interesse an Nays Kunst wuchs in dieser Zeit, er hatte mehrere Einzelausstellungen und war erstmals auf der Biennale in Venedig vertreten.

4. Melodik der Farben
In den seit 1949 entstandenen Bildern gewinnen die Farben an Leuchtkraft und Dynamik.
1951 zog Nay nach Köln. Hier entstanden seine ersten wirklich abstrakten Bilder.
Im Herbst lehrte er 3 Monate an der Landeskunstschule in Hamburg und 1955 erschien seine kunsthistorische Schrift “Vom Gestaltwert der Farben”.

5. Im Kreis der Zeichen
In den 1950er Jahren malte Nay zahlreiche Bilder in denen übereinanderliegende Scheiben vor dem Hintergrund von kräftigen Farben erscheinen. In einige der Scheiben fügte er spitze Ovale ein, sodass sie wie Augen wirken.
In seinen letzte Jahren vereinfachte Nay seine Malerei noch mehr, wenige, intensive Farben zeigen Figuren in senkrecht verlaufenden Bahnen, die manchmal an Körperteile erinnern.

Bis zum Ende seines Lebens arbeitet Nay an seine Bildern, noch kurz vor seinem Tod am 8. April 1968 entstand sein letztes Gemälde.

Die Ernst-Wilhelm-Nay-Ausstellung der Kunsthalle Hamburg ist noch bis zum 7. August geöffnet.

Und hier gibt es weitere Informationen zu der Ausstellung